Rezension – Marie Graßhoff: Die Schöpfer der Wolken

Himmel, mit diesem Buch war ich aber eine Weile beschäftigt! Mit gut 520 Seiten war es für mich eines der größten Unterfangen seit einer Weile. Es war auch das erste deutsche Buch, das ist seit einer ganzen Weile gelesen habe – das hat allerdings eher dazu beigetragen, dass das Lesen doch schneller ging.

Marie Graßhoffs Die Schöpfer der Wolken verspricht euch ziemlich viel auf einmal. Eine Reise nach Shanghai mit einer Figur, für die diese Kultur genauso fremd ist, wie sie vermutlich für euch ist, Menschen mit besonderen Fähigkeiten, im Prinzip Superhelden, und … eine gehörige Portion Endzeitstimmung. Dazu gehören nicht nur Erdbeben, die die meisten Städte und praktisch die Zivilisation zerstören, sondern auch ein Zusammenbruch der Dimensionen. Wenn die Dimensionen schwarz und dickflüssig aus den Spiegeln tropfen, wisst ihr, dass etwas nicht ganz richtig ist.

Stellenweise meint man fast, Die Schöpfer der Wolken wolle zu viel. Es gibt eine fast schon überwältigende Anzahl verschiedener Erzählperspektiven, individuelle Geschichten, die man erst einmal aufschnappen und verarbeiten muss. Exzellent: Die Verknüpfung derselben auf Dauer, und es ist auch nicht gleich erkennbar, dass alle tatsächlich zur gleichen Gruppe gehören. Den meisten erzählenden Figuren ist gemein, dass sie am gleichen Tag geboren sind, sogar in der gleichen Sekunde, und damit eine besondere Rolle bei den Ereignissen einnehmen. Vor allem Brendan, der als zurückgezogener Einsiedler lebt, merkt man am Anfang aber wirklich nicht an, dass er erst Anfang 20 ist.

Für Ciara, die durchaus so etwas wie die Protagonistin des Buchs ist, entwickelt sich aus einem ungewöhnlichen Auftrag so viel mehr, als man jemals vermuten könnte. Alles geht mit dem Tod ihres Bruders los, und sie erhält den Auftrag, sein letztes Manuskript nach Shanghai zu bringen. Als wäre dieser Auftrag nicht dubios und aufregend genug, entwickelt sich daraus natürlich viel mehr – was mehr Begegnungen mit besonderen Menschen wie ihr und das Ende der Welt mit einschließt.

Für den Anfang hätte ich mir ein wenig mehr Gefühl von Shanghai an sich gewünscht. Nicht falsch verstehen: Es werden unheimlich viele Aspekte dieser Version von Shanghai erzählt, die, würde sich die Stadt so weiterentwickeln, sicher Schauplatz des nächsten rein dystopischen Romans werden könnte. Das war super – zu kurz kam vielleicht lediglich der Kulturschock, aber gleichzeitig müssen sich Ciara und Co. auch mit ganz anderen Dingen herumschlagen.

Sprachlich waren ein paar Dinge ein wenig auffällig. Während sich Die Schöpfer der Wolken wirklich flüssig liest, werden manche Dinge hin und wieder zu dick aufgetragen. Wiederholungen ziehen sich dann über Seiten oder Kapitel hinweg – daran, dass in Shanghai im Januar 2021 Schnee liegt, habe ich beispielsweise nun wirklich keinen Zweifel mehr. Zu den Lieblingsformulierungen im Buch gehören ganz klar Sätze mit dem Ausruf „Himmel,…“, was mich auf Dauer doch ein wenig aus dem Lesefluss riss – eher schmunzelnd denn genervt, allerdings war es schon auffällig, dass der Großteil der Figuren mit gewisser Regelmäßigkeit so denkt.

Unterm Strich ist Die Schöpfer der Wolken eine umfassende Reise, die sich wirklich lohnt und die gerade zum Ende hin doch auch emotional wird. Nicht zuletzt geht es auch um das faszinierende Schaffen der Schriftsteller. Marie Graßhoff hat hier jedenfalls auch eine Welt geschaffen, die ganz faszinierend ist. Und wer weiß – vielleicht ist das ja wirklich eine Aufzeichnung von 2021. Achtet auf eure Spiegel!

Das Buch:

Marie Graßhoff: Die Schöpfer der Wolken
Drachenmond Verlag
ISBN: 3959910983
Preis: 16,90€

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